DIE Stimme

Heute habe ich sie wieder gehört: die Stimme, die bei mir Kribbeln am Rücken verursacht. Wer kennt sie nicht, manchmal gibt es sogar mehrere. Bei Michael Jackson z.B. habe ich das auch. Oder eben bei Edita Gruberova. Gestern gehört mit La Traviata von Giuseppe Verdi im Wiener Musikverein.

Wir waren zwar nur in der ersten (von drei) „Hälften“ dort, weil meine Begleitung die Stehplatzkarte „nicht so romantisch“ fand. Für die Musikliebhaberin in mir hat aber auch das schon genügt: ich durfte wieder einmal DIE Stimme hören, die Kribbeln in mir auslöst. Grossartig!

Nach Professor Eckart Altenmüller (habe ich übrigens auch auf der Tonmeistertagung in Leipzig gehört…) gibt es ja besondere Kriterien, warum Musik bei uns „chilling effects“ hervorrufen soll. Neurologisch gesehen ist es nämlich immer dann für uns spannend, wenn sich ein wohlgemerktes Muster verändert. Sprich, eine rhythmisch einprägsame Struktur wird plötzlich anders, oder eine dominantische Harmonie wird plötzlich in die Tonika aufgelöst. Schön, dass unser Hirn uns dann ein Kribbeln beschert 🙂

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Mit dem rechten Ohr hört man besser…?

Es gibt ja immer wieder so allerhand zu lesen… ich glaube das nicht. Jedenfalls geht es eher auf soziologische Kriterien zurück als auf audiologische. Aber bitte, man wird ja wohl noch forschen dürfen – das Experiment war sicherlich interessant 😉

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Ich weiss…

…keine ∑¤ξ‰ kauft sich ein Buch in meinem tollen Buchshop, den ich auf dieser Website eingerichtet habe. Nun gut, es geht Euch schon wieder etwas durch die Lappen, und ich werde es mir nicht verkneifen, dies hier darzustellen 🙂

Vergangenen November hatte ich die Chance, der Tagung Deutscher Tonmeister in Leipzig beizuwohnen. Dort gab es einen ganzen Block über „Ear & Hearing“, in der die Bereiche Audio für Musik und Audio für Schwerhörige auf wunderbarste Weise zusammen gefügt wurden (ein Schleckerbissen für die Erfinderin der musikalischen Hörakustik 🙂 . Ich durfte auch einen Vortrag von Herrn Gerald Fleischer hören und lernen, dass nicht Dauerlärm, sondern Knalle gehörschädigend wirken.

Da nutzt es nicht viel, die gängigen Gesetze zu kennen (…). Jedenfalls hier die ausführliche Lektüre für alle, die jetzt auch nur Bahnhof verstehen:

„Gut Hören – Heute und Morgen“ von Gerald Fleischer et al.

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Preispolitik

In der Schweiz herrscht seit einiger Zeit eine heftige Debatte darüber, wieviel Hörgeräte und deren Anpassung kosten soll/darf/muss… Die Verbände der Schwerhörigen plädieren für eine kostengünstigere Variante. Die organisierten Hersteller kämpfen um ihre Pauschalpreise.

Immer wieder werden die Europäischen Länder miteinander verglichen, und Ungerechtfertigkeiten festgestellt. Hier muss aber angefügt werden, dass es sich um einen Äpfel-mit-Birnen-Vergleich handelt, denn selten sind die erbrachten Leistungen dieselben; und der Kaufpreis eines Hörgerätes setzt sich immer aus dem Gerät einerseits und der Dienstleistung der Akustikbranche andererseits zusammen.

Bei allem Respekt vor dem Leid, welches z.B. das Schweizer Volk empfindet: Im Vergleich zur Schweiz hat Österreich ein um ca. 10% niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen, und die grösseren Differenzen zwischen arm und reich sind offensichtlich. Hörgeräte und Gehörschutzartikel werden hier aber zum circa gleichen Preis (!) verkauft wie in der Schweiz.

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Militärmusik trägt Gehörschutz

Vorbildlich. Ich müsste das ja begrüssen. Finde aber, dass das Militär in erster Linie mal gründlich und langfristig dafür sorgen sollte, dass w i r k l i c h jedeR beim Schiessen verschlossene Ohren kriegt.

Denn was ich in meiner bis jetzt kurzen Karriere an Schwerhörig-wegen-Militär zu Gesicht bekommen habe („tja“, „leider“, „man wusste das halt nicht“ etc.), ist wirklich himmeltraurig. Da tut das bisschen Blasmusik bestimmt nicht weh!

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DTV4All

Für alle, denen das Fernsehen in seiner heutigen Form Schwierigkeiten bereitet (und das sind bekanntlicherweise die meisten Schwerhörigen!!) gibt es Hoffnung:

Die EU hat eine Kommission damit beauftragt, gewisse Erleichterungen für das Schwerhörige Publikum zu erforschen und zugänglich zu machen.

Da gibt es zum Beispiel den Ansatz, alles Mögliche an Störgeräuschen (das kann genausogut Musik sein!) heraus zu filtern und „nur“ noch die Sprache als Audiomaterial übrig zu lassen. Der oder die BenutzerIn kann dann das Filter selber nach Belieben einstellen.

Oder auch – das digitale Fernsehen macht es möglich – die Geschwindigkeit des Filmmaterials um bis zu 30% langsamer abzuspielen, ohne dass die Tonhöhe dabei verändert wird!

Ich finde das toll 🙂

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Musizieren IV mit Mittelohrentzündung

Nikolaus Harnoncourt – ein bedeutender Dirigent, den ich sehr, sehr schätze – über die durch Pathologie veränderte Wahrnehmung von Klang:

… Vor fünfzig Jahren hatte ich eine Mittelohrentzündung. Da konnt ich überhaupt nichts hören. Ich bin natürlich dienstfrei gestellt worden, bei den Symphonikern, und erst nach einiger Zeit kam das Hören wieder. Und – es hat entsetzlich geklungen! Ich hab gemerkt, wenn ich das eine Ohr zuhalt, klingts gut, wenn ich das andere Ohr zuhalt, klingt’s auch gut, und wenn ich beide offen hab – klingt’s entsetzlich. Das lag daran, dass ich mit dem einen Ohr einen Ton höher gehört habe als mit dem anderen. Zuerst war es fast ein Ganzton, und über zehn Tage ist das Intervall immer kleiner geworden, aber so (macht ein Glissando rauf und runter)! Dann ist es auf einem Ton geblieben. Jetzt frag ich mich natürlich – welcher von den beiden Tönen ist richtig? Und ausserdem frag ich mich: Welchen Ton hören Sie? Weil, Sie haben ja andere Ohren, vielleicht haben Sie das Ohr, das ungefähr meinem rechten Ohr entspricht! Alles, was ich als gegeben hingenommen hab, ist ins Wanken geraten. Es kann wirklich sein, dass jeder Mensch vollkommen anders hört. Auch Klangfarben. Vermischungen von Klängen. Und wenn das so ist, wie kann man das festmachen und definieren? …“

Quellenangabe:
aus „Musikfreunde. Magazin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Dezember 2010“

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Musizieren III mit Gehörschutz

Berühmter Pianist. Gesichtet im Konzertsaal. Klavierkonzert mit Trompete von Schostakowitsch (super tolles Stück!!!). Laut, ja, aber nur zum Teil.

Spielt mit Gehörschutz. ER 9, wie er mir nachher verrät.

Er schützt also vorbildlich sein Gehör. Die Meisten tun dies vor allem bei den Proben oder beim Ueben in kleinen Räumen, jedoch nicht beim Konzert, da sie den Klang dort „vollkommen“ geniessen wollen. Meist geschieht durch das Tragen von Gehörschutz ja eine Art „abgeschottet sein“, welche fürs gemeinsame musizieren natürlich höchst unangenehm ist.

Besagter Pianist überzeugt trotzdem. Vollkommen. Richtig cool.

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Musizieren II mit Hörgerät

Ein anderer Fall. Berühmter Gitarrist, klassisch. Trägt schweres Geschütz auf den Ohren. Sprachverständlichkeit funktioniert jetzt wunderbar, und seinem Charme muss man ohnehin erliegen 😉

So besuche ich also mit meiner Assistentin ein Konzert. Seine Solopartien sind wunderschön! Er spielt jedoch ohne Hörgerät. Verüble ich ihm nicht, denn er hat sich wohl im Laufe der Jahre derart an den verfärbten Klang seiner Gitarre gewöhnt, dass ihm alles andere unnatürlich vorkommt. Ausserdem komprimiert das Power-Hörgerät ja auch ordentlich, um die Sprache in den Resthörbereich zu drücken. Somit hört sich das Musiksignal  wohl sehr merkwürdig an. Da ist übrigens auch mit Musikprogrammen nicht viel zu machen, weil der Equalizer einfach schon so krass eingestellt ist, dass von der Elektronik her spektrale Ueberlagerungen geschehen.

In der Pause begrüssen wir ihn. Er erkennt unsere Stimme natürlich ohne Gerät nicht. Verzeihlich.

Unverzeihlich aber ist, dass er nachher ohne Geräte Duo spielt: Mit einem Geiger. Bei dieser Besetzung müsste die Geige führen, und die Gitarre in die Rolle der Begleitung gedrängt werden. Es ist aber das umgekehrte der Fall: Da unser Musiker die Hörgeräte nicht trägt, kann er nicht kommunizieren. Weder sprachlich noch musikalisch. Er gibt also selber Tempi an, und der Geiger muss unweigerlich folgen, auch wenn dies sein Ego ziemlich ankratzt, wie man unschwer erkennen kann.

Vielleicht wäre es doch gut gewesen, sich ans Musizieren mit Hörgerät zu gewöhnen? … …….

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Musizieren I mit Hörgerät

Das geht. Manchmal sogar sehr gut. So durfte ich unlängst ein Ehepaar mit Hörapparaten versorgen, welches sogar im Kirchenchor singt! Und dies natürlich MIT den Geräten im Ohr.

Ich dachte zuerst selbst, dass das nicht funktionieren könne. Schliesslich hört man über das Hörgerät seine eigene Stimme sehr laut, und gerade bei „Beginnern“ ist das ein heikles Kriterium, welches die Akzeptanz des Hörgerätetragens leicht zum Schwanken bringt.

Aber Herr und Frau X haben dies wunderbar gemeistert. Wobei zu ergänzen ist, dass er eine offene Versorgung (aber dennoch mit Tulpendome…) trägt und sie ein klassisches Hinter-dem-Ohr-Gerät mit geschlossener (!) Otoplastik. Sie hört sich selber also sehr gut singen. Aber sie schätzt es! Und wenn sie nicht singt, versteht sie jetzt wenigstens den Dirigenten. Und sogar, was ihre Sitznachbarin ihr in den Pausen zuflüstert. Das ist doch mal eine gelungene Anpassung *freu*

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