Vom Hören ohne Sehen

Wenn ich beim Mischen von Musik bin, finde ich meistens, dass meine Augen störend sind. Ich ziehe dann die Brille aus und konzentriere mich nur auf mein Gehör. Das ist anstrengend genug und es gefällt mir, durch meine Sehschwäche einen Sinn ausschalten zu können. Den gleichen Vorteil habe ich in der Sauna oder im Schwimmbad, wenn mir ohne Brille gewisse Blicke entgehen – oder auch mein Blick nicht unerwünschterweise wohin wandert… aber das ist ein anderes Thema… 😉
Jedenfalls sehe ich mich schon als ziemlich auditiven Menschen. Ich gehe z.B. auch oft hörenderweise über die Strasse, weil ich einfach sehr gut einschätzen kann, wie weit welches anrollende Fahrzeug gerade noch entfernt ist. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich kürzlich ohne Brille komplett taub. Und zwar war ich beim Frisör. Normalerweise finde ich das lustig, die Brille für eine Weile weg zu legen und mich dann vom neuen Haarschnitt überraschen zu lassen. Doch jetzt kam ich mir so blöd vor, weil ich einfach kaum etwas verstand und mich total hilflos fühlte! Man muss dazu sagen, dass die hier in Linz einen Dialekt sprechen, der mir noch nicht so geläufig ist. Aber dennoch. Mein Gehörsinn hat mich ohne meine Augengläser komplett verlassen. Ich stammelte nur noch und liess wiederholen.

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Schallzahnbürste

Was immer das ist – dachte ich mir auch, als ich zum ersten Mal über diesen Begriff stolperte! Naja, gegen eine schallende Zahnbürste ist grundsätzlich nichts einzuwenden, dachte ich mir da. Ok, das war vielleicht etwas fantasiert. Aber wenn Schallwellen die Zähne reinigen könnten, dann wollte ich dieses Erlebnis auf keinen Fall verpassen!
Beim Auspacken fiel mir aber auf, dass da rein gar nichts mehr von Schall in der Bedienungsanleitung steht. Ich blätterte herum und suchte vergeblich, bis ich irgendwo im WeltWeitenWeb herausfand, dass einzig die Borsten der sogenannten Schallzahnbürste mit Ultraschall angeregt werden. Diese vibrieren dann mit ca. 30’000 Hertz.
Naja, auch interessant. Jedenfalls sehr angenehm. Und wenn man trotzdem ein bisschen Schall dazu haben will, kann man während dem Zähneputzen den Mund öffnen und verschiedene Formen bilden – das klingt auch ganz lustig 🙂

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Korruption in der Hörgerätebranche?

Nirgendwo erscheint mir Korruption so offensichtlich wie in Oesterreich. Was andernorts wohl sicherlich auch und hinter verschlossenen Türen geschieht, wird hier öffentlich breit geschlagen. Schon zum zweiten Mal innert kürzester Zeit (das letzte Mal war im Sommer 2010) werden HNO-Aerzte angeklagt, weil sie (im Zusammenschluss mit grossen Handelsketten) allem Anschein nach unfairen Wettbewerb betreiben. Dieses Mal hätten sie selber Hörgeräte eingekauft und teurer an ausgewählte Akustikerläden weiter verkauft, obwohl diese die Hörgeräte ganz normal beim nationalen Vertrieb kaufen könnten. So etwas nennt man dann „versteckte Provisionen“ (naja, so gut versteckt waren sie wohl doch nicht, denn sonst wäre das ganze nicht aufgeflogen…) News.at berichtet in der aktuellen Ausgabe.

Beim Kläger handelt es sich um Opticon „Augen auf“ und „Neu Hören“, einem Zusammenschluss privater Unternehmer. So gross muss man sein, um den marktbestimmenden Ketten überhaupt entgegen treten zu können.

Es wundert mich eigentlich nur, wieso die Konsumentenschützer nicht auch auf diese untolerierbaren Zustände eindreschen, und statt dessen immer wieder die Sozialversicherer an den Pranger stellen. Verkehrte Welt?

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Goldene Ohren

Wie bereits angekündigt, kann ich jetzt die arithmetische Mittelung unserer Audiometrie von der Tonmeisterklasse in Wien bekannt geben. Untersucht wurden 30 Ohren im Frequenzbereich von 125Hz bis 14kHz. Das Mittel ist wirklich „golden“, wie man sich das bei TonmeisterInnen auch vorstellt. Vor allem gab es einige ProbantInnen, die – wahrscheinlich wegen dem intensiven Gehörtraining – im höheren Frequenzbereich die Grenze des Audiometers sprengten. Allerdings gab es auch nicht wenige Ausreisser nach unten, die auf bereits bestehende Lärmschädigungen hinweisen. Das Alter spielte dabei keine Rolle.

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Hörbeispiele verschiedener Pathologien

Auch mit der Gefahr, dass man mich des Abschreibens bezichtigt 🙂 drüben bei Alexander habe ich den Link auf diese Seite entdeckt.  Es handelt sich um Hörbeispiele, welche verschiedene Hörverluste simulieren. Diese Hörverluste sind auch mit ihren zugehörigen Audiogrammen einsehbar. Ein sehr gelungenes Beispiel für jemanden, der sich kaum etwas unter einer frequenzspezifischen Hörminderung vorstellen kann!

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Tinnitus im Spiegel

Interessante Therapieergebnisse aus der Tinnitusforschung werden im Spiegel Online bereit gestellt.

(Die Mehrzahlform von Tinnitus geben allerdings auch die nicht bekannt 😉

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Hochtonaudiometrie

Der Header hat wieder einmal gewechselt! Was Sie jetzt sehen, ist eine Hochtonmessung. Normalerweise werden nur 125 Hz bis 8 kHz gemessen, weil für die HNO-Diagnostik nicht mehr notwendig ist und auch die Korrektur durch ein Hörgerät nicht mehr bringen kann. Es gibt aber durchaus Audiometer (Messgeräte zur Gehörprüfung), die über 8 kHz messen.

Am 15.1.2010 durfte ich im Rahmen einer Veranstaltung der AES Student Section Vienna ein Dutzend TonmeisterstudentInnen untersuchen. Das Ergebnis muss ich noch mitteln, und dann kann ich es hier zur Verfügung stellen. Es war sehr interessant! Für TonmeisterInnen und MusikerInnen allgemein ist es natürlich wichtig, den ganzen Frequenzbereich messen zu können. Denn es interessiert auch die Oktave oberhalb von 8000 Hertz! Einzige Kritik: warum können wir nicht auch den Bassbereich unter 125 Hertz messen? Schliesslich liegen Bassinstrumente gerade in dem Frequenzbereich und sogar noch darunter…

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Stimmlage

Ich bin gerade verkühlt. Bei mir beginnen alle grippalen Effekte mit einer Entzündung im Rachen – wahrscheinlich, weil ich die Mandeln noch habe. Jedenfalls ist meine Stimme ziemlich viel tiefer als normal. Das hört sich irgendwie witzig an, so wie eine Raucherstimme…
Erklären kann man sich das so: da bei einer Entzündung lokal alles geschwollen ist, sind es auch die Stimmbänder. Durch die Schwellung werden sie grösser, und also auch länger.

Schwingt eine längere Saite, ist deren Grundton tiefer als der einer kürzeren Saite; vergleiche mit einer Geige: wenn ich die Saite mit dem aufgepressten Finger unterteile und damit kürzer mache, höre ich einen höheren Ton, als wenn ich die leere Saite anstreiche. Das gleiche Phänomen gilt auch hier 🙂

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Es war einmal…

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Hörspiel

Die letzten Tage waren streng. Nach dem Entspannen über die Feiertage hatte mich letzte Woche der Studioalltag komplett im Griff. Zwei Produktionen standen auf dem Menu: eine Klavieraufnahme mit einem Magisterstudenten, der sich für einen Wettbewerb in Kanada bewerben möchte. Und die Fertigstellung einer Hörspielproduktion, die wir im Rahmen einer Vorlesung bei Götz Fritsch machen dürfen.

Nach einigen Semestern Sprecherziehung und Radiotheorie sowie Redaktionsarbeit geht es hier endlich einmal um die Kunst im Radio. Und, obwohl ich mich im Vorfeld nie sonderlich fürs Hörspiel interessiert hätte (ausser ein paar halb verschlafenen Malony-Sonntagmörgen; die SchweizerInnen unter den LeserInnen werden es kennen… 😉 ) , hat mich diese Arbeit total gepackt. Endlich darf man mal kreativ sein als TonmeisterIn! Nicht nur die Aufnahmequalität muss stimmen, sondern man darf und soll durchaus seine eigenen akustischen Ideen mittels Effekten einbringen. Ein paradiesischer Spielplatz! Mein Kollege und ich haben uns daher die letzten drei Tage komplett im Tonstudio verkrochen. Normalerweise hasse ich das: kein Tageslicht, kein normaler Essensrhythmus, volle Konzentration bis einem fast das Hirn platzt und die Ohren vom Gefühl her taub werden… Aber es war einfach toll 🙂 Beim Hörspiel ist interessant, dass man keinen klassischen Konvention folgen darf. Das Einzige was zählt, ist, dass der/die HörerIn von Anfang bis Ende in den Bann gezogen wird (und den Sender nicht wechselt…). Ich glaube, das haben wir geschafft.
Wer weiss, vielleicht werden wir sogar vom ORF gespielt.

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