Musikalische Hörgeräteakustik I

Es steht ja bereits im Titel. Doch was ist eigentlich musikalische Hörgeräteakustik, beziehungsweise, was möchte man darunter verstehen? Eine Frage, die sich sicherlich jedeR interessierte LeserIn bereits gestellt hat. Die Autorin stellt sie sich tagtäglich…

Unter musikalischer Hörgeräteakustik ist z.B. zu verstehen, dass man den Klangcharakter der Technik berücksichtigt. Jedes elektronische Bauteil verändert den Klang eines Audiosystems auf seine eigene Weise. Am Schönsten lässt sich das anhand von analoger Audiotechnik darstellen, wo Einzelteile wie Röhren im Verstärker oder auch Nadeln beim Plattenspieler nach wie vor die LiebhaberInnen zum Entzücken bringen.
Aber auch wenn die Signalverarbeitung heutiger Hörgeräte digital geworden ist, so gibt es immer noch Komponenten, die analog geblieben sind: die Mikrofone, die Hörer, das ganze Otoplastiksystem. Ausserdem gibt es auch Untersuchungen die zeigen, dass digitale Systeme trotz mathematisch gleichem Ergebnis, verschieden klingen.
Mit Musik hat das in diesem Fall gar nicht viel zu tun, sondern eher damit, dass man dem Klang einen Namen gibt. Dieser könnte nämlich, auch mit audiologisch gut gearbeiteter Einstellung, zu einem Ablehnen von Seiten des/r TrägerIn führen. Weil die Komponenten eben dem Klanggeschmack nicht entsprechen zum Beispiel.

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Der / die Lautere gewinnt

Gestern an einer Performance vom Industrieviertelfestival in Waldegg NÖ. Eine Autorin und ich haben einen Dialog mit Stimme und Sounddesign von und über einen Steinbruch vom Band kreiert. Das Ganze wurde nach einer strikten Partitur mit Zeit- und Raumangaben aufgeführt. KeineR wusste vom Anderen, was der oder die in welchem Moment aufführte…

Leider hat sich heraus gestellt, dass das Konzept einen Parameter vergessen hatte: die Lautstärke. Was tun, wenn man eine leise Passage gestalten möchte, während dem die Schauspielgruppe im benachbarten Sektor in belustigtem Krächzen aufgeht? Oder wenn eine Sopranistion die Halle mit Operngesang erfüllt? Nichts einzuwenden gegen alle diese Darbietungen, und auch nicht gegen das Konzept, Kunst parallel laufen zu lassen – die heutige Kunstwelt lebt ja wie alles Mediale im Überfluss und muss aus den gebotenen Informationen das für sie Wesentliche herausfiltern.

Jedoch gingen Teile unserer Performance leider ziemlich unter. Gelernt habe ich: im Live-Sektor darf man nicht mit einem fix konstruierten Vorschlag auftreten. Man muss frei sein für Improvisation, denn nur so können Interaktionen entstehen.

Kleine Anekdote am Rande: Eine mit Hörgeräten ausgestatte Person beschimpfte zwei Autorenkollegen, dass sie ihre Texte zu leise vorgetragen hätten. Dass sie in dieser Kunst-Kakofonie nichts verstehen würde, war mir schnell klar. Ausserdem sass der dünne Schallschlauch nicht richtig, was sie aber auch nach vorsichtigem Einwand meinerseits nicht ändern wollte – naja, tant pis! 😉

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27.4. Tag gegen Lärm

Heute ist internationaler Tag gegen Lärm. In dem Moment, wo dieser Blogeintrag veröffentlicht wird, nämlich um 14:15, seid Ihr alle aufgerufen, für 15 Sekunden Ruhe zu geben!

Hier der Link zu einem Beitrag vom ORF über die Hörstadt in Linz.

Und jetzt: Pssssst!

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Tinnitus-Liga

Liebe LeserInnen,
Ich möchte heute auf eine spezielle Organisation Österreichs aufmerksam machen, nämlich die Österreichische Tinnitus-Liga. Was diese Organisation zur Linderung von Tinitus-Leiden genau unternimmt, kann jedeR selber nachlesen. Es gibt natürlich Pendants in verschiedenen Ländern.

Von „Fachleuten“ habe ich schon gehört, dass man Tinnitus ihren Tinnitus „ausreden“ solle. Je weniger man sich damit beschäftigt, desto weniger leide man auch darunter.

Das ist vielleicht schon psychologisch zu begründen. Vielen Menschen geht es aber auch einfach besser, wenn sie wissen, woher ihre Leiden kommen und wie es sich normalerweise mit ihnen lebt. Denn Wissen kann entspannen, während dem Unwissen stresst. Ich denke auch, dass es im Grunde genommen eine Aussage ist, die die Hilflosigkeit der Fachwelt ausdrückt. Leider gibt es viele Ursachen von Tinnitus, und leider sind die allermeisten davon nicht behandelbar. Wie damit umzugehen ist, ist im Einzelfall zu entscheiden. Und dazu helfen Organisation wie die eingangs erwähnte.

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Tipps für SprecherInnen 2

Sie müssen mit einem Mikrofon sprechen. Entweder Sie besitzen ein Headset oder können an einem mikrofonierten Pult sprechen – dann sind sie fein raus, denn es kümmert sich im Normalfall jemand anderes um die Technik.
Müssen Sie aber mit einem Handmikrofon sprechen, sollten sie Folgendes beachten:
Erstens ist dies natürlich für Schwerhörige ungünstig, weil Sie mit dem Mikrofon Ihre Lippen bedecken (siehe Tipps für SprecherInnen 1).
Zweitens müssen Sie darauf achten, wie Sie das Mikrofon halten: Eine S..mode ist es, das Mikrofon parallel zum Körper zu halten, also mit der Richtwirkung zur Decke.

Die Meisten SprecherInnen glauben, dass es sich so gehören würde und besser ausschaut.
(…gute Akustik hat aber selten etwas mit „guter“ Optik zu tun…)

Sie müssen das Mikrofon also in Achse zum Mund halten.


Das hat einen technischen Grund: ein Sprechermikrofon ist als Richtmikrofon konstruiert. Das bedeutet, dass es in Achse mehr aufnimmt als von der Seite. Oder anders herum ausgedrückt, dass es von der Seite kommenden Schall abschwächt. Wenn Sie jetzt also von der Seite hineinsprechen, muss die Verstärkung erhöht werden. Dies wiederum erhöht die Rückkopplungsgefahr (dieses hässliche Pfeiffen)… Zusätzlich gibt es einen unschönen Klang, aber mehr dazu in Teil 3 dieser Serie…

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Veränderungen bei Sonova…

10vor10 vom 30.03.2011

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Tipps für SprecherInnen I

Das Zuhören bei Konferenzen ist für Schwerhörige sehr anstrengend. Klar müssen diese zuerst dafür sorgen, an einem akustisch günstigen Platz zu sitzen. Sprich, nicht zu weit weg vom SprecherIn, so dass der Anteil an gehörtem Direktschall möglichst hoch bleibt. Dieser nimmt nämlich mit zunehmender Entfernung vom SprecherIn ab und vermischt sich mit dem diffusen Raumklang. Auch sollte Augenkontakt möglich sein, so dass der/die Schwerhörige die Mimik der SprecherIn betrachten und sogar etwas von den Lippen ablesen kann.
Nun sollte sich aber auch die SprecherIn Mühe geben, in Richtung des Publikums zu sprechen. Und nicht in seine/ihre Vortragsblätter, seinen Bart oder ebenso wenig in Richtung einer eventuellen Präsentationsfolie. Das ist schwierig, aber der Aufwand lohnt sich. Nicht nur die Schwerhörigen werden Ihnen danken – es wird für alle ZuhörerInnen angenehmer 🙂

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Rote Karte

Die Linzer sind uns weiter voraus. Spätestens seit Linz Kulturhauptstadt Europas war, nämlich 2009, wissen die BewohnerInnen dieser Stadt, dass Lärm eine unterschätzte Umweltbelastung ist. Ich finde es schön, wenn ich mein akustisches Umfeld wählen kann: zuhause kann ich Stille haben, das regelmässige wummern der Waschmaschine einschalten oder den Fernseher brabbeln lassen, wenn mir gerade nach menschlicher Unterhaltung ist. Sollte mir das zu wenig aufregend sein, begebe ich mich ins nahe gelegene Kaffehaus, wo ich mich überraschen lassen kann: läuft Musik? Was für welche? Eine die ich vielleicht noch nicht kenne? Oder hat die Kellnerin vergessen die Anlage einzuschalten und es bleibt still? Oder gibt es plaudernde Menschen? Wie sind sie drauf? Sind die Gespräche entspannt oder forsch und geschäftlich? Das Wichtige ist, dass ich dort hingehen kann, und mich dem auch wieder entziehen, wenn ich genug habe.
Das andere Phänomen ist die Dauerberieselung. In fast jedem Geschäft ist das heutzutage Standard. Hauptsache, es ist nicht ruhig, sondern irgendeine (evtl. sogar hauseigene) Musik prasselt auf die Kundschaft ein. Oder es läuft Werbung. Das alles soll verkaufsfördernd wirken. Es kann einen aber auch ganz schön verjagen! Deswegen haben die Linzer eben eine „Rote Karte – gegen Dauerbeschallung“ erfunden. So kann man wählen, ob man beim Einkauf belärmt werden will oder eben nicht.

Ich finde, sie gehört global verbreitet – ist das Recht auf Ruhe eigentlich noch nicht in den Menschenrechten verankert?!

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Vorn dabei – aber schlechter Sitz

Sie ist jung, schön, sehr erfolgreich und – trägt ein Hörgerät, welches sie auch noch ihren Kollegen zeigt! Echt fortschrittlich, das Drehbuch von CSI-Miami. Nur: das Hörgerät hat einen so schlechten Sitz (damit man es auf dem Bild sieht), dass die Tragende gar nicht viel damit hören kann, denn der Lautsprecher zeigt nicht ins Ohr hinein – was die Werbung unsichtbarer Hörgeräte natürlich auch leicht zunichte macht…

CSI-Miami, 8. Staffel, „Im Wind liegt die Warheit“ Minute 21:42 von rtl-now, abfotografiert am 7.3.2011

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Mitfühl…

Seit Jahrzenten bin ich telefonscheu. Ob das mit dem wahnsinnig traumatischen Erlebnis 😉 zusammen hängt, als ich einmal als Kind eine Freundin anrufen wollte, und dann ihr strenger Vater abhob und ich minutenlang kein Wort heraus gebracht habe? Egal. Jedenfalls passiert mir das in jedem bis jetzt durchlebten Kultur- & Sprachkreis, ich kann mich also nicht mehr glaubwürdig verteidigen, ich BIN telefonscheu.
Einerseits empfinde ich das Telefon als extrem intimes Kommunikationsmittel. Schliesslich spricht mir da jemand ganz direkt ins Ohr, und das darf nicht jedeR! Andererseits hasse ich es, am Telefon spontan reagieren zu müssen. Das setzt mich immer unter Stress. Wenn ich schreibe, kann ich meine Gedanken viel besser ordnen.
Neuerdings müssen wir uns um eine neue Wohnung kümmern – weil unser Vermieter, der normalerweise in Ägypten arbeitet, von dort gerade ausgeflogen wurde… Ich bin also auf der Suche nach einer geeigneten Immobile. Auf diesen vielen tollen Webpages darf man überall elektronisch die MaklerInnen kontaktieren, was ich auch froh zu nutzen weiss. Man muss immer eine Telefonnummer angeben, sonst kann man das Formular nicht abschicken. Ich schreibe dann immer hin: „Bitte per Email kontaktieren!“ Und so viele von denen rufen mich trotzdem an. Das nervt gewaltig! Wenn ich jetzt schwerhörig wäre, käme ich dabei um so manche Information. Ich hebe einfach nicht ab. Bäh.

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