Vom Einfluss des GeHör(gerät)s auf die eigene Stimme

Gerade ist es mir wieder in den Anpasssitzungen aufgefallen: Die Stimme eines/r HörgeräteträgerIn ändert sich flagrant und sofort mit der Aenderung der Geräteeinstellung! Ich finde es faszinierend – am Anfang einer Beratung muss ich beinahe schreien, damit mein Gegenüber mich versteht, und kaum passe ich ihm ein Gerät an, spricht es komplett normal und angenehm. UFF! Jetzt kann auch ich wieder mit normaler Stimme sprechen und muss nichts mehr forcieren.

Was mir auch nicht so gut gelingt: Trotz Sprachtraining und Gesangsunterricht habe ich keine voluminöse Stimme. Zum Glück aber auch keine piepsige 🙂  Die KundInnen können mich also gut verstehen, und ich gebe mir Mühe, mit gesetzter Stimme zu sprechen, damit sie basslastiger wird. Auch ganz wichtig ist es, langsam und deutlich zu sprechen. Bei schneller Sprache geraten die KundInnen schnell unter Stress. Langsame Sprache scheint Vertrauen zu vermitteln, und so kann die Kommunikation viel ungezwungener geschehen. Wenn ICH nämlich Stress habe, weil ich meine Stimme forcieren muss, dann merkt das Gegenüber das sofort und ist auch angespannt. Spannend, nicht?!

Aber noch einmal zurück zum Einfluss von Hören auf Sprache. Der berühmte Französische Arzt Alfred Tomatis hat aus dieser Tatsache, dass wir nur so sprechen können, wie wir auch zu hören vermögen, eine Therapie entwickelt.

Persönlich finde ich diesen Ansatz aus vorangegangenen Gründen richtig und interessant. Als Tonmeisterin kann ich aber nicht akzeptieren, dass mit einem spektral durch Equalizing verformten Klang eine genesende Wirkung erzielt werden kann. Gerne würde ich eines Besseren belehrt werden 🙂 , aber leider weiss ich selber viel zu wenig über die Wirkung dieser Therapie. Deswegen erlaube ich auch erstmals auf diesem Blog Kommentare und bin gespannt auf Interessante Beiträge!

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Weiss / Weisslich 36, Kopfhörer 1999 – oder das Hörgerät für NormalhörerInnen

Kürzlich erlebt in St.Gallen im Gesäuse: Eine Installation mit übergrossem Hörgerät! Zumindest schaut es so aus. Eigentlich handelt es sich um einen Kopfhörer, auf dem Mikrofone montiert sind. Damit wird dem/der aufmerksamen HörerIn vermittelt, wie unsere alltägliche Umgebung eigentlich klingt, wenn man aus dem unbewussten Sinn des Gehörs ein bewusstes Zuhören gestaltet. Merkwürdig nur, dass das dann unter dem Begriff „Zeitgenössische Musik“ angeboten wird. Aber man kann wunderbar nachfühlen, wie es einem Schwerhörigen geht, dem auf einmal Hörgeräte aufgesetzt werden! Plötzlich passiert sooooOOOviel rund um einen herum, alles ist zu laut, etc… just the same – but different 🙂  schön!

Esther an der Regionale10 "Kopfhörer"

Peter Ablinger „Weiss / Weisslich 36, Kopfhörer“

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Tinnitus – ich auch

Seit Weihnachten letzten Jahres plagen mich meine Tinnitüsse ( -usse oder -üsse? Laut Wikipedia ist Tinnitus ein lateinisches Wort, weshalb es wohl „Tinniti“ heissen sollte…). Nach medizinischem Standpunkt kann ein Tinnitus extrem viele Ursachen haben. Die Ursache meiner Tinniti kenne ich: es war eine umtriebige Nacht in meiner Studentenzeit, an die ich mich nicht mehr in allen Einzelheiten erinnern kann (…). Das einzige, was mich wirklich beeindruckte, waren die Tinniti, die sich am nächsten Morgen im Halbschlaf bemerkbar machten. Einmal links, einmal rechts; dann erst entdeckte ich, dass es jeweils zwei pro Ohr waren! WOW. Ich konnte also anhand meiner Tinniti Solfège betreiben und die Intervalle (die sich interessanterweise in der ersten Zeit änderten—) heraus finden.
Dann verschwanden sie für lange Zeit. Bis Weihnachten letzen Jahres. Stress wird oft als Ursache von Tinnitus genannt. Natürlich habe ich Stress – wer hat den denn nicht. Ich behaupte aber dennoch, eine eher erholungssüchtige also stresssüchtige Person zu sein. Aber vielleicht überschätze ich da manchmal meine Belastbarkeit.
Auf jeden Fall ist der tiefere von den beiden Tinniti im linken Ohr der Lauteste. Er hat ungefähr die Höhe von zwischen einem gleichmässig temperierten h und c, ist also nicht ganz rein. Leider auch nicht genügend laut, als dass ich ihn als Stimmgabel missbrauchen könnte.
Aber er ist da, und pfeifft – falsch – vor sich hin. Ein unregelmässiges Vibrato gehört auch noch zu seinen Eigenschaften.
Manchmal verwirrt er mich schon, wenn irgendein Küchengerät surrt oder pfeifft. Ich frage mich dann hektisch, „ist das ein Gerät? Oder mein Ohr?“
Aber ansonsten befasse ich mich relativ gern mit meinem Tinnitus. Will genau wissen, wie er klingt, damit er mich bei meiner tonmeisterlichen Arbeit nicht in die Irre führen kann.
Das Einzige, was angeblich gegen Tinnitus hilft, ist, ihn zu vergessen oder zumindest mit anderen Geräuschen von ihm abzulenken. Mein Bericht hier wird mir also gesundheitlich eher schaden als helfen. Aber vielleicht hilft es anderen TinnituspatientInnen zu lesen, dass sich Tinniti bei seeehr vielen Menschen einfach im Ohr einnisten und da nicht mehr raus zu kriegen sind! Man muss lernen mit ihnen umzugehen, wie mit den ersten weissen Haaren auch…

Und für die, die wirklich darunter leiden, gibt es hier eine interessante Studie.

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(Sch)Neid, Schnitt, da habt ihr euch geschnitten

Gewisse Puristen finden, man dürfe an einer Musikaufnahme nichts verändern, weil man sie sonst ihres Live-Effekts beraubt. Sie haben zum Teil Recht, schliesslich kann einE TonmeisterIn eine Aufnahme tatsächlich auch „zu Tode“ schneiden, bis sie nicht mehr „atmet“ – und dies gilt es auf jeden Fall zu vermeiden. Allerdings darf man ein Medium eben nicht wie eine Live-Darbietung behandeln. Es ist schlicht etwas gänzlich anderes: eine Aufnahme kann in Folge beliebig oft wiedergegeben werden. Ein Live-Auftritt ist plötzlich vorbei, und damit sind auch eventuell gehörte Unstimmigkeiten bald vergessen. Das auditive Gedächtnis ist schliesslich sehr begrenzt und äusserst kurz: nämlich kürzer als 2 Sekunden (!)

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Wieso eigentlich Enten…

Ein milder Frühlingstag in Zürich. Wir spazieren gemütlich am Schanzengraben entlang Richtung Selnau. Da kommt plötzlich eine Ente auf uns zugeschwommen und weckt mein Interesse! Nicht, dass ich mich für Biologie je sonderlich interessiert hätte, aber da ging mir ein Licht auf: Zwar sind Wasserwellen transversaler Art, jedoch kann man Phänomene der Schalllehre visualisieren, wenn man die Ente jetzt als „Schallquelle“ „missbraucht“ und beobachtet, wie sich die Wasserwellen um sie herum ausbreiten. So kann man z.B. sehen, wie die kugelförmige Abstrahlung einer „Schallwelle“ in einiger Entfernung in ebene Wellen übergeht. Wenn dann zwei Enten nebeneinander schwimmen, kann man Interferenzen beobachten, dort wo sich die beiden Wellenschweife im Wasser kreuzen. Oder dann schaut man wieder das Ufer an, wo Wellenbewegungen zurückgeworfen werden und erkennt, wie Reflexionen oder das Huygens’sche Prinzip funktionieren… Vielleicht lässt sich damit sogar der Dopplereffekt erklären? Wenn eine Ente auf die Andere zuschwimmt?? Ich konnte jedenfalls fast studenlang verweilen und knipste mehrere Dutzend mal… Naja, Bilder fürs Familienalbum sind das nicht geworden 😉

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Ein Blog über Hörgeräteakustik entsteht

dicuran tebis sifi lauf i rohrum.

Ungefähr so lateinisch kommt Sprache unseren schwerhörigen KundInnen manchmal vor. Darüber, und über andere akustische Phänomene und Fragestellungen, möchte ich in Zukunft hier berichten.

Genauso spanisch kommt mir aber momentan diese ganze Blog-Technik vor. Deswegen nenne ich den Blog auch „AufIhrOhrUm“ – in Anlehnung an den zitierten pseudo-lateinischen Spruch. So hoffe ich, dass ich damit weder auf die Nase noch auf meine Ohren um-falle und sich mir dieses Blogger-Universum hoffentlich in naher Zukunft offenbart – und dann kanns richtig losgehen 🙂

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